Wenn das Handy den Tod bringt
Geheimdienste können Schützen
„Fernsteuerung“ ist durch einfache Modifikation möglich
In Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen kommen immer öfter auch Handys als Zündauslöser ins Gespräch. Wie so etwas technisch möglich ist und ob man dagegen etwas unternehmen kann, schildert Dieter Görrisch im folgenden Bericht.
Über ein gut funktionierendes Handynetz freut sich gewöhnlich jeder. Besonders an Verkehrsknotenpunkten, Bahnhöfen und Flugplätzen scheint der Kommunikationsbedarf unserer Bürger besonders hoch. Deshalb wurde in der Vergangenheit gerade an solchen Plätzen die Infrastruktur aller Handynetze besonders gut ausgebaut.
Doch mit Handys kann man nicht nur gut kommunizieren, mit einigen Modifikationen und Ergänzungen lassen sich die Mobiltelefone auch zur perfekten und weltweit funktionierenden Fernsteuerung umbauen. Einige Bastler schalten beispielsweise die Standheizung ihres Kraftfahrzeuges damit ein
Vorreiter: Geheimdienste
Doch nicht nur eifrige Tüftler, sondern auch andere Personengruppen entdecken die „erweiterten Möglichkeiten“ der Handys. Geheimdienste haben in der Vergangenheit schon mal einen gegnerischen Agenten mit einem präparierten Handy abgehört (Einbau einer Wanze) oder sogar getötet.
Eine ferngezündete Sprengladung explodierte genau in dem Moment, als sich das Opfer mit seinem Namen meldete. Das manipulierte Handy war kurz vorher von einem Mittelsmann gegen das Original ausgetauscht worden.
Eine besondere Bedrohung entsteht jetzt durch weltweite Aktivitäten terroristischer Vereinigungen gleich welcher Couleur (Bericht in RADIO- SCANNER 1/2002) . Ein Handy funktioniert in nahezu allen Gegenden der zivilisierten Welt und besonders gut in Ballungszentren. Was liegt für Terroristen also näher, als Handys zum Bombenzünden einzusetzen?
Einfache Modifikation
Die notwendige Modifikation am Handy ist denkbar einfach. Bei Anruf eines Handys passieren gewöhnlich zwei Dinge: Es klingelt und es schaltet sich (optional) die Displaybeleuchtung ein. Genau hier setzt die Modifikation an. Klingelelement oder Displaybeleuchtung werden angezapft, deren Signale herausgeführt und über eine kleine Adapterschaltung erkannt. Sobald ein entsprechendes Signal anliegt, schließt sich ein kleines Relais und löst beliebige Vorgänge aus. Im harmloseren Fall eben das Einschalten einer Standheizung, oder auch das Zünden eines nachgeschalteten Zündkreises mit den bekannten Folgen.
Doch was ist, wenn sich irgend jemand verwählt hat und genau das „Fernsteuerhandy“ zufällig aktiviert? Auch dieses Problem ist gelöst, denn viele Handys besitzen ein spezielles Nummernregister („rotes Telefonbuch“), das nur den dort eingetragenen Teilnehmern die Anwahl erlaubt. Ausschließlich Anrufer, die in diesem Register eingetragen sind, werden durchgeschaltet und lösen das Klingelsignal aus.
Schutz schwer möglich
Ein Schutz gegen diese Art der Bombenzündung ist derzeit kaum möglich, denn nahezu jedes Handy kann für solche Aktionen umgebaut und in ein Gepäckstück eingebaut werden. Bestenfalls könnte man zumindest dort, wo ausschließlich Gepäck gelagert wird, das Funktionieren der Handynetze unterbinden. Etwa durch spezielle Abschirmungen an den Wänden oder durch Störsender.
Solche Maßnahmen werden in der Praxis aber nicht ganz einfach umzusetzen sein. Bis zur Lösung dieses technischen Problems bleibt also nur die erhöhte Wachsamkeit. Herumstehende Gepäckstücke, seltsam anmutende Geräte oder auffällige Personen besonders zu beobachten und dann schnell zu handeln, bevor das Handy klingelt...



