Mikrowellen als Waffen
Mikrowellen als Waffe
Mikrowellen als Waffen im Nachbarschaftskrieg?
Immer wieder hört man in der Presse von Mikrowellen- Waffen für Polizei und Militär. Doch nicht nur Profis, sondern auch böse Nachbarn sollen sich der Technik bedienen und ihre Umwelt mit umgebauten Mikrowellenöfen terrorisieren. Kann das funktionieren?
Genau genommen ist der Mikrowellenbereich nicht exakt definiert. Häufig wird er mit unseren heimischen Mikrowellenöfen in Verbindung gebracht, die auf der ISM- Frequenz 2,45 GHz (Resonanzfrequenz der Wassermoleküle) arbeiten. Wegen dieser Resonanzwirkung kommt der so genannte „thermische Effekt“ besonders gut zum Tragen und die wasserhaltigen Speisen erhitzen sich unter dem Einfluss des intensiven elektromagnetischen Feldes.
Mikrowellenöfen stehen seit über 20 Jahren in unseren Küchen, größere Unfälle mit dieser Technik wurden hierzulande bisher kaum bekannt, es sein denn, man steckt seine Katze zum Trocknen ins Gerät... Um erwünschte thermische Effekte für die Umwelt auszuschließen, sind Mikrowellenöfen komplett abgeschirmt und schalten sofort ab, wenn man während des Betriebes ihre Türe öffnet. Dennoch kann es vereinzelt zu Leckstrahlung kommen, besonders wenn die leitfähige Gummilippe an der Türe nicht mehr ordentlich abdichtet oder das Gerät nicht auf einer ebenen Unterlage steht und sich das dünnwandige Blechgehäuse dadurch verwindet.
Da verwundert es zunächst, wenn immer wieder vom „Mikrowellen- Terror“ böser Nachbarn zu hören ist. Solche Behauptungen bekommen durch amerikanische Publikationen wie „The poor man´s ray gun“ (Bild unten) zusätzliche Nahrung.
Keine Frage, Mikrowellenstrahlung ist auch für den Menschen gefährlich. Heutige Küchenöfen nutzen Magnetrons als Hf- Generatoren und erzeugen damit gewaltige Ausgangsleistungen bis zu 1 kW! Schon die Überbrückung der Türkontakte ermöglicht einen Betrieb bei offen stehender Türe. Um diese Leistung in den freien Raum abzustrahlen, sind allerdings einige technische Probleme zu lösen.
So wird beim Austritt der Mikrowellen in den freien Raum ein Teil der Hf- Energie wie-der reflektiert! Grund dafür sind die unterschiedlichen Wellenwiderstände von Hohlleiter und Freiraum. Zur Anpassung ist daher eine entsprechende Antenne notwendig, fachkundige Bastler verwenden dafür gerne „Hornantennen“. Diese ermöglichen eine verlustfreie und gezielte Abstrahlung der Wellen in die gewünschte Richtung. Eine einfache Hornantenne lässt sich beispielsweise aus Karosserieblech passgenau fertigen und wird direkt an der Stelle des Ofens angebracht, an der die Hf- Leistung in den Garraum übertritt.
Am Antennenausgang treten sehr hohe Feldstärken auf, die besonders den Bastler selbst gefährden. Vor Selbstversuchen sei daher dringend gewarnt, nicht zuletzt auch wegen der hohen Betriebsspannung der Mikrowellenöfen von 2000 Volt!
Umbau aufwendig
Wie schwierig ist die Modifikation eines Mikrowellenofens wirklich? Kann ein Bastler ohne aufwendigen Messgerätepark eine wirksame „Strahlenkanone“ bauen? Wir wollten es wissen.
Der Umbau eines Mikrowellenofens ist mit viel mechanischer Bastelei verbunden. Beim Mustergerät wurde die gesamte Bedienkonsole abgebaut, das Gehäuse des Gerätes abgesägt. Übrig bleibt die rechte Gerätehälfte mit Stromversorgungsteil und Magnetron, dessen Hf- Leistung mit einer direkt aufgesetzten Hornantenne abgestrahlt wird. Als einfaches Anzeigeinstrument dient ein so genanntes Leckstrahlen- Messgerät von Conrad Elektronik, das noch in einer Entfernung von mehreren Metern mit Vollausschlag reagierte. Umbau und ein erster Funktionstest sind mit einfachen Mitteln möglich.
Begrenzte Reichweite
Die Reichweite der „Ausstrahlung“ ist schon wegen der hohen Freiraumdämpfung recht begrenzt, deswegen müssen Mikrowellen- Radargeräte (wie sie etwa in der Flugsicherung Verwendung finden) mit sehr hohen Pulsleistungen arbeiten.
Um unerkannt in eine andere Wohnung zu strahlen, müssen die Wellen aber nicht nur den Freiraum, sondern zusätzlich Wohnungs- oder Haustrennwände durchdringen. Während eine dünne Rigips- oder Ziegelwand noch relativ geringe Abschwächungen verursacht, schlagen stahlarmierte Betonwände deutlich stärker zu Buche. In vielen Wohnungen ist die Dämpfung durch Stahlbetonwände so groß, dass nicht einmal ein vernünftiger Rundfunkempfang sichergestellt ist.
Fakt ist jedenfalls, dass die Mikrowellen beim Übergang in die andere Wohnung mehr oder weniger stark gedämpft werden. Der Grad der Dämpfung ist immer vom Einzelfall abhängig und nur durch Messungen zu ergründen. Grundsätzlich sind „Mikrowellenbestrahlungen“ benachbarter Wohnungen durch modifizierte Mikrowellenöfen aber durchaus möglich.
Mikrowellen durch Messungen nachweisbar
Entscheidend für die Wirkung in der Nachbarwohnung ist aber immer die so erzielte Feldstärke, und die lässt sich recht einfach messen. Bereits ein einfacher Mikrowellen- Lecktester, wie er für wenige Euro im Fachhandel zu haben ist, lässt einen groben Nachweis von Mikrowellenstrahlung zu. Mit kalibrierten Präzisionsmessgeräten sind natürlich aussagekräftige Feldstärkemessungen möglich, ggf. auch über einen längeren Zeitraum. Von messtechnischen Nachweisen ist in „Opferberichten“ allerdings selten die Rede, hier beruft man sich gerne auf Schlafstörungen, Nervosität oder Krebserkrankungen. Regelmäßig wird auch der sog. „nichtthermische Effekt“ ins Spiel gebracht. Während Gewebeaufheizungen („thermischer Effekt“) unter der Einwirkung starker elektromagnetischer Felder wissenschaftlich bewiesen sind, gibt es für andere Effekte auf den menschlichen Körper bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis. Dennoch wird immer wieder behauptet, dass schon sehr schwache Hf- Felder genügen, um im Laufe von Jahren das menschliche Wohlbefinden zu beeinflussen und Krankheiten auszulösen. Eine Behauptung, die hier wohl nicht geklärt werden kann, die vielleicht gar nicht endgültig zu klären sein wird.
Denn auch die Psyche der Menschen scheint eine wesentliche Rolle zu spielen. So gab es nach dem Bau einer Mobilfunkstation in einem Dorf einen regelrechten Auf-stand. Von Schlafstörungen, Allergien, Krebsdiagnosen und sogar der Geburt mehr-köpfiger Kälber war im Dorf die Rede. Angst und Verzweiflung gingen um. Später stellte sich heraus, dass die Mobilfunkstation zwar fertig aufgebaut war, aber noch gar keinen Stromanschluss hatte!
Fazit
+Der Umbau eines Mikrowellenofens in einen Sender mit Richtantenne ist technisch möglich. Die viel zitierten militärischen Mikrowellenwaffen arbeiten allerdings mit enormen Leistungen und sind mit Bastlergeräten wohl kaum zu vergleichen.
+Häufig werden hochfrequente Aussendungen ganz allgemein als „Strahlung“ bezeichnet. womit man eine verbale Querverbindung zu radioaktiven Strahlungsquellen herstellt.
Elektromagnetische Felder haben allerdings nichts mit jener zellverändernden Teilchenstrahlung zu tun, wie sie von radioaktiven Materialien (Uran, Plutonium dgl.) ab-gestrahlt wird.
+Leistungsstarke Mikrowellengeräte benötigen leistungsstarke Stromquellen. Bereits der heimische Mikrowellenofen benötigt 1 kW an elektrischer Leistung.
Mobiler oder portabler Betrieb ist somit nur eingeschränkt möglich.
+Mikrowellenfelder können problemlos messtechnisch nachgewiesen werden, Aller-gien oder Schlafstörungen sollten nicht als Ersatz für fehlende Messungen herhalten.
Dieter Görrisch
funkempfang.de



