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Spionage Satelliten



Spionage Satelliten und Drohnen

Weltweite Spionage mit Satelliten

und Hightech Drohnen

Fliegende Augen



Spätestens seit dem Krieg der USA gegen die Taliban in Afghanistan werden offenbar modernste Spionagesatelliten und unbemannte Aufklärer, sogenannte Drohnen,
eingesetzt. Zahlreiche Einzelhinweise und Informationen von Insidern lassen einen umfangreichen Einblick in die moderne Spionagetechnologie zu. Ein Bericht von
Niels Gründel.

Für den Betrieb der Spionagesatelliten unterhält der US-Geheimdienst das National Reconnaissance Office (www.nro.gov). Gewonnene Daten werden an die angeschlossenen Behörden wie die CIA und das Verteidigungsministerium weitergeleitet. Über die eingesetzten und in die Erdumlaufbahn katapultierten Satelliten gibt man sich allerdings wortkarg. Direktor Stephen Wojcicki freut sich offiziell lediglich über jeden gelungenen Start eines weiteren Satelliten. Anfang Oktober soll ein dritter KH-11 -Satellit vom militärischen Startkomplex Vandenberg in Kalifornien gestartet worden sein. Damit sollen sich nun insgesamt rund 50 US-amerikanische und europäische Überwachungssatelliten im Orbit befinden.

Beim Keyhole-11 (Schlüsselloch) handelt es sich um Satelliten mit extrem hochauflösenden optischen Teleskopen, welche die Erde in geringer Höhe von nur 320 bis etwa 800 Kilometern umkreisen.
Die Aufnahmen werden an Bord der Satelliten digital aufbereitet und beim Überfliegen des Pazifiks und der Bodenstationen in Grönland Richtung Erde gefunkt. Von den Bodenstationen aus erfolgt die Weitervermittlung durch Kommunikationssatelliten.
Im Oktober wurde ein Relais-Satellit in die geostationäre Umlaufbahn gebracht, so dass die Aufnahmen der Schlüsselloch-Aufklärer seitdem in Echtzeit an die Bodenstationen übertragen werden können.

Und die Aufnahmen sollen es in sich haben:
Experten schätzen, dass die Militärs und Geheimdienstler in den USA mit KH-11 über Aufnahmen mit einer Auflösung von 5 cm verfügen. In der Nacht sind Aufnahmen mit
einem Restlichtverstärker und mit Infrarotsensoren möglich.

Radarüberwachung aus dem All
Mit wahrscheinlich drei Satelliten aus der LaCrosse-Serie wird die Erde zusätzlich per Radar überwacht. Das hat den Vorteil, auch durch Wolkenfelder noch recht gut auflösende Bilder zu erhalten. An die Qualität der Schlüsselloch-Satelliten kommen sie jedoch nicht heran. Je nach Witterungsbedingungen beträgt die Auflösung aber immerhin noch 30 bis 90 cm. Der Nachteil aller geheimen Satelliten ist ihre ungeheure Größe. Die eingesetzten Trägerraketen Lockheed Martin Atlas IIAS und Titan IVB lassen Rückschlüsse auf das Gewicht der Satelliten zu. Der KH-11 soll rund 15 Tonnen wiegen und zählt damit zu den hellsten Himmelskörpern.
Die LaCrosse-Satelliten sollen ähnlich schwer sein und über eine riesige Radarantenne und Solarausleger von 50 Metern Spannweite zur Stromversorgung verfügen. Daher sind manche der klobigen Spione schon mit bloßem Auge leicht zu erspähen.
Für gegnerische Militärexperten dürfte es also ein Leichtes sein, schwere Militärausrüstung nur zu bewegen, wenn der Überflug der Spähsatelliten gerade beendet ist.
Selbst im Internet werden die Daten und Umlaufbahnen der top-geheimen Satelliten von Amateuren ausgetauscht (www.heavensabove.com). So erkennen Amateure wie Profis beispielsweise die LaCrosse-Radarsatelliten am rötlichen Schimmer der Thermobeschichtung.

Beim Keyhole-11 (KH-11) handelt es sich um Satelliten mit extrem hochauflösenden Teleskopen, welche die Erde in geringer Höhe umkreisen.

Zensur und Manipulation
Obwohl die Regierungsstellen in den USA zweifellos über die derzeit besten Spionagesatelliten verfügen, haben sie bereits kurz nach Beginn des Krieges gegen die Taliban das gesamte Bildmaterial der privaten Betreibergesellschaft Space Imaging (www.spaceimaging.com) und ihres kommerziellen Ikonos-Spionagesatelliten aufgekauft. Damit wollten sie das Informationsmonopol für die Kriegsführung behalten und nur zensierte Bilder veröffentlichen. Doch konnte das ARDMagazin Monitor (www.monitor.de) immerhin einen vermeintlich erfolgreichen Luftangriff als einen Bombenabwurf auf drei schrottreife Flugzeuge klassifizieren. Das Vergleichsbild kam von Ikonos, es war vom April 2000. Seitdem waren die Flugzeuge nicht einen Zentimeter bewegt worden.

Drohnen für den Überflug
Für wesentlich genauere Bilder werden bemannte Aufklärer wie die hierzulande recht bekannten Awacs-Radaraufklärer eingesetzt oder die bewährte U-2, die hochmoderne
RC-135V Rivet Joint und die SR-71 Blackbird.
Doc h ungefährlicher für die Piloten und noch deutlich leistungsfähiger sind unbemannte Flugzeuge. Nach Angaben eines Militärsprechers soll die neue autonome Wunder-Drohne Global Hawk (Tier II+) auch schon in Afghanistan zum Einsatz gekommen sein.
Sie kann eigenständig navigieren und mit ihrem Düsentriebwerk und einer Flügelspannweite von 34 Metern bis zu 20 Kilometern Höhe aufsteigen. Mit einer Reichweite von 25.000 Kilometern soll sie bis zu 42 Stunden in der Luft bleiben können.
Zur technischen Ausstattung gehören sehr leistungsfähige Infrarot-Sensoren und Radarsysteme.
Ähnlich wie die LaCrosse-Satelliten sind so Aufnahmen bei jeder Witterung, bei Tag und bei Nacht möglich. Im Tiefflug liefert der Aufklärer hochauflösende Aufnahmen.
Daneben setzen die Militärs auch auf die besonders im Kosovo-Krieg bewährten Predator-Drohne. Sie kann in sechs Teile zerlegt und im Container verschifft werden. Für den
Start benötigt sie allerdings eine halbwegs gut planierte Rollbahn. Danach kann sie 24 Stunden in der Luft bummeln, ihre maximale Fluggeschwindigkeit beträgt gerade einmal 200 km/h. Die Steuerung erfolgt teils autonom, teils vom Boden per Satellitenkommunikation über das Trojan Spirit II SATCOM-System,das eine geschützte Übertragung erlaubt.
Über eine Bodenstation können bis zu vier Predator-Drohnen gesteuert werden. Die Bilderwerden live zur Bodenstation übermittelt.
Ihren größten Einsatz hatten diese unbemannten Aufklärer in Bosnien. Dort wurden sie nicht nur von den USA, sondern auch von anderen NATO-Mitgliedern und den UNOTruppen in über 600 Flügen erfolgreich eingesetzt.
Doch wenn sich Terroristen versteckt halten, nutzt eine hochtechnisierte Überwachung nur wenig. Wegen schlechter Witterung und gegnerischer Abschüsse sind den USA in
Afghanistan auch einige Predator-Drohnen verloren gegangen. Doch immerhin wurde das Leben eigener Piloten nicht gefährdet.
Und das Risiko für die Piloten soll noch weiter gesenkt werden. Bereits im Jahr 1947 begannen die Experimente mit einem Unmanned Combar Air Vehicle (UCAV), dem sogenannten X-1 -Raketenflugzeug.
Stand der derzeitigen Entwicklung ist das etwa 3,6 Tonnen schwere unbemannte Kampfflugzeug X-45A von Boeing (www.boeing.com), das fast 1,4 Tonnen Waffen mit sich führen soll. Die Navigation des Flugzeugs erfolgt vollständig über eine sichere Satellitenverbindung.
Die Entwicklung des Miniatur-Stealth-Bombers hat gerade einmal 42 Monate gedauert.

Schnüffler am Horizont

Die Jagd nach dem gesuchten Terroristenshef Osama bin Laden mit allen Mitteln Modernster Elektronik hat das Thema „Spionagesatelliten“ wieder ins öffentliche Interesse gerückt. Da passt die dpa-Meldung vom 7. November, dass die Bundeswehr eigene Spionagesatelliten bekommen soll, natürlich gut ins Bild. Sogar eine private Firma ist bereits in der Lage, mit kommerziellen Satelliten gestochen scharfe Aufnahmen zu machen und diese an Auftraggeber zu verkaufen.
Das „Schnüffelpotenzial“ der Amerikaner ist zum Teil brandneu, berichtete die Nachrichtenagentur dpa am 9. Oktober 2001 (1 ). Allein im September 2001 seien drei Militärsatelliten gestartet worden, die Experten zufolge bei der Suche nach El-Kaida-Terroristen und bei der Identifizierung von Taliban-Zielen in Afghanistan eine ganz wesentlicheBedeutung haben könnten. Dies bestätigte ein amerikanischer General in einem Interview.
So könnten neuartige Satelliten Daten weitaus schneller als früher verarbeiten und transportieren. Bodentruppen seien dadurch in der Lage, rascher und gezielter zu agieren.
Das von dem General angesprochene „Spionage-Wunder“ verbirgt sich hinter dem Kürzel BRITE, das für Broadcast Request Imagery Technology Experiment steht. Noch im Golfkrieg bereitete es den Militärs Kopfzerbrechen, dass Satelliten-Fotos stets mit großer zeitlicher Verzögerung am Boden eintrafen.
Als Folge befanden sich manche Ziele zum Zeitpunkt des Angriffs nicht mehr an der Stelle, an der sie vom Satelliten erspäht worden waren. Das BRITE-System ermöglicht es, per
Laptop-Computer mitten aus dem Feld Boden- Koordinaten an die zuständige Satelliten-Kontrollstelle zu senden. Der Satellit kann dann auf das „gewünschte“ Ziel gerichtet
werden und innerhalb kurzer Zeit Bilder davon an die Bodentruppen senden.
Im dpa-Bericht heißt es weiter: „Eingeräumt wird in Militärkreisen indes, dass keine der Satelliten-Augen scharf genug sind, um etwa Bin Ladens Gesicht von dem einer anderen
Person oder El-Kaida-Mitglieder von einer Flüchtlingsgruppe zu unterscheiden. Die Satelliten werden aber durch verschiedene Aufklärungsflugzeuge unterstützt, die etwa wie
die U-2 mit Hilfe von Radar Bewegungen am Boden aufspüren oder wie die Drohne “Predator“ schärfste Bilder zur genauen Identifizierung von Zielen liefern können.
Nicht ausgeschlossen ist auch der Einsatz von Systemen, die sich noch in einer Testphase befinden. Militärexperten nennen hier vor allem das unbemannte Aufklärungsflugzeug
RQ-4A „Global Hawk“, das über 40 Stunden lang ununterbrochen in der Luft bleiben und bei großer Flughöhe sogar bei Nacht und bei jedem Wetter Bewegungen am Boden erspähen kann. Hoch sensible Kameras, Infrarot- Geräte und Spezial-Radar machen es möglich.“
Wie unserem Bericht zu entnehmen ist, setzen die USA auf Satelliten und Flugzeuge, die die Kommunikation am Boden auffangen können. Der Terroristenchef weiß das natürlich und soll sich hauptsächlich auf Kuriere und Tonband- sowie Videoaufzeichnungen stützen. Würde er nur ein einziges normales Funkgerät benutzen, dann wäre seine Enttarnung so gut wie sicher.

Neuester Trick der Satellitenbetreiber, damit die künstlichen Trabanten möglichst lange die Erde umkreisen, ist laut einem Bericht des Magazins New Scientist (2) ein Tankroboter. Der Roboter mit dem Namen Autonomous Space Transporter and Robotic Orbiter (ASTRO) soll dabei zwischen den Satelliten und einem im All stationierten Treibstofftank hin und her pendeln, so David Whelan, Direktor der Abteilung für taktische Technologie an der Defense Advanced Research Project Agency (DARPA). Außerdem könne er zusätzlich als mobile Reparatureinheit verwendet werden.

Übrigens: Damit die bereits erwähnte Privatfirma den US-Militärs nicht ins Handwerk pfuscht - sprich: Bilder an die Taliban oder andere Kriegsgegner verkauft -, hat das Pentagon sich die Exklusivrechte an den Afghanistanbildern gesichert (3). Das verhindert zugleich, dass sich unabhängige Beobachter ein Bild von der wahren Lage machen könnten.

Denn wir wissen ja aus dem Kuwait-Krieg, wie in solchen Fällen oft mit der Wahrheit umgegangen wird. Auch mit den laut internationalem Abkommen von 1975 pflichtgemäßen Meldungen über neue Spionagesatelliten scheinen es die USA nicht immer genau genommen zu haben.
Seit Mitte der 90er Jahre beschäftigt sich der Astronom Jonathan Mc-Dowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics mit dem UN-Melderegister für Weltraumobjekte. Dabei hat er eine Menge Ungereimtheiten entdeckt, die zum Teil sogar von den Behören zugegeben werden (4/5).
Wer mehr über die Geschichte und Technik der Aufklärungs- und Spionagesatelliten erfahren möchte, dem empfehlen wir die Internetseiten von Bernd Leitenberger zur Lektüre (6). Dort erfährt der Leser eine Menge über Programme und Typen, Auflösung und Teleskope, Antriebe, Bahnen und Lebensdauer.
Wem dies nicht genügt, dem liefert die Suchmaschine www.google.de unter dem Stichwort „Aufklärungssatelliten“ jede Menge weiterer Informationen.

funkempfang.de