Videoscanner zum aufspüren von Videokameras
Videoscanner
Bilder aus Läden und Leichenhalle
Drahtlos ist Trend. Da verwundert es auch nicht, wenn immer mehr Videosignale durch den Äther rauschen. Gerade das 2,4-GHz- ISM- Band wird von jedermann gebührenfrei genau dazu genutzt. Eigene Videofilme oder Fernsehprogramme werden mit preiswerten „Video- Links“ komfortabel in ein anderes Zimmer oder Stockwerk übertragen. Mittlerweile sind auch die ersten drahtlosen Kameras auf dem Markt, die ihre Bilder gleich auf 2,4 GHz absenden. Kurzum, auf den 2,4 GHz ISM- Frequenzen ist Leben eingekehrt.
Grundlegendes
videoüberwachung
Die Reichweite dieser Aussendungen auf 2,4 GHz ist unterschiedlich, kann aber unter günstigen Bedingungen durchaus einige hundert Meter erreichen. Das ist oft mehr, als den Nutzern lieb und recht ist. Die genaue Frequenz und weitere Übertragungsparameter (Videopolarität und Tonunterträger) der wenigen Übertragungskanäle innerhalb des 2,4-GHz- ISM Bandes sind bedauerlicherweise nicht exakt festgelegt. Somit wäre ein durchstimmbarer Empfänger wohl die erste Wahl. Als Paradebeispiel für ein interessantes Industriegerät mit Direktanzeige sei hier der Handscanner ICOM IC- R3 genannt.
Wer sich die reichlich angebotenen Video- Links einmal genauer ansieht, stellt schnell fest, dass es durchaus Ähnlichkeiten zwischen den angebotenen Geräten gibt.
Weit verbreitet sind beispielsweise folgende vier Video- Link- Frequenzen innerhalb des ISM- Bandes zur Videoübertragung:
(Frequenzen in GHz)
Kanal 1 2,411 2,413
Kanal 2 2,434 2,438
Kanal 3 2,453 2,458
Kanal 4 2,473 2,475
Video-Scanner im Eigenbau
Um diese vier interessanten und vielgenutzten Video- Frequenzen zu scannen, gibt es auch einfachere und billigere Möglichkeiten. Etwa das ca. 60 Euro teure 2,4-GHz- ISM- Empfangsmodul ATV- RX- 13ISM, das sich mit seinen 12 Volt Betriebsspannung sehr gut für mobile Einsatzzwecke eignet .
Das Modul enthält den kompletten Empfangsteil, an dessen Videoausgang direkt ein Video- Monitor angeschlossen werden kann. Die Bedienung beschränkt sich auf einen einzigen Taster zum manuellen Durchschalten der Kanäle. Längeres Betätigen desselben schaltet das Modul schließlich in den Scan- Modus, der die Kanäle zyklisch wechselt.
Erste Empfangsversuche mit vorhandenen Video- Links führten leider nicht zum Er-folg. Der Grund war schnell gefunden, denn wir weicht mit seinen vorprogrammierten „ISM- Hausfrequenzen“ von denen der preiswerten Konsumgeräte ab (siehe Tabelle). Ob das jetzt Zufall oder vom Hersteller beabsichtigt ist, soll hier nicht Thema sein. Beim Mustergerät wurde das Problem jedenfalls auf sehr einfache Weise gelöst: Den Tunerdeckel öffnen und die kleine grüne Spule neben dem großen IC suchen. Einen alten Ferritkern (findet man in alten Radios haufenweise als Spulenkern) neben die o.g. Spule bringen. Das verstimmt den Tuner frequenzmäßig etwas nach unten und lässt ihn die Frequenzen des Video- Links brauchbar auf allen vier Kanälen empfangen. Um eine exakte Abstimmung zu erreichen, einfach einen Video- Link Sender neben das Empfangsmodul stellen und solange probieren, bis ein einwandfreies Bild empfangen wird. Danach wird der Kern mit einem Tropfen Alleskleber fixiert.
Optimale Anpassung
Je nach gewünschtem Einsatzzweck kann das Modul noch weiter angepasst werden. Es verfügt über zwei Audioausgänge und ermöglicht auch den Empfang eines mit übertragenen Stereo- Tonsignales auf den beiden Untertonträgern 6,0 und 6,5 MHz (lässt sich durch Einlöten anderer Filter ebenfalls abändern, siehe Datenblatt). Video- Links nutzen Tonunterträger fast immer, drahtlose Überwachungseinrichtungen arbeiten dagegen oft ohne zusätzliche Tonübertragung. Die am Modul via Lötbrücke eingestellte Videopolarität (invers oder normal) passt erst einmal und muss zum Empfang der Links nicht verändert werden.
Ein besonderes Thema stellt die Antenne dar. Bei der hohen Betriebsfrequenz von 2,4 GHz können auch relativ kurze Antennenleitungen mit dünnen Koaxkabeln das Empfangssignal empfindlich dämpfen. Deshalb wurde beim Mustergerät ein anderer Weg beschritten. Der Empfangstuner wurde vom Modul entfernt und in ein eigenes Gehäuse eingebaut, das direkt im Antennenfußpunkt sitzt. Das Verfahren erinnert in gewisser Weise an ein LNB, wie wir es von der Satellitentechnik her kennen. Zu Ansteuerung des Tuners (Betriebsspannung, I2C- Bus- Leitungen und Videosignal) genügen wenige Drähte, deren Länge unkritisch ist. Das Modul ist direkt in ein Plastikgehäuse eingebaut, die vier vorhandenen (ursprünglich) roten Leuchtdioden zur Kanalanzeige wurden darüber hinaus durch verschiedenfarbige Typen ersetzt. Das verbessert die Kanalidentifikation im Mobilbetrieb erheblich.
Ein so umgebautes Empfangsmodul bietet unterwegs schon erheblichen Komfort. Einmal gestartet, scannt es fleißig die vier Übertragungskanäle, deren Bilder dann auf dem Monitor angezeigt werden können. Sogar eine Feldstärkeanzeige lässt sich direkt an den Tuner anschließen. Näheres in den Datenblättern.
Video-Empfangs-Praxis
Wegen der relativ geringen Reichweiten der Videoübertragungen kommt man mit einer ortsfesten Empfangsstation nicht weit. Vielmehr bietet sich der Einbau des Empfängers in ein Fahrzeug an. Die Ausrüstung besteht aus dem modifizierten Empfangsmodul, einem kleinen Taschenfernseher und einer 2,4-GHz- Vertikalantenne. Wer eine größere Bilddarstellung wünscht, kann freilich auch ein Laptop (Videoeingang ist Voraussetzung) als Wiedergabegerät nutzen, das zudem das Speichern von Bildern und Sequenzen auf der Festplatte ermöglicht. Die Stromversorgung aller Komponenten erfolgt über das 12-Volt- Fahrzeugbordnetz. Man staunt immer wieder, was hier während der Fahrt für Bilder und Videos auf dem Monitor erscheinen: Ladentheken, Einkaufsregale Pornofilme, Videoüberspielungen verschiedenster Art und vieles mehr. Ein Bekannter will sogar eine Leichenhalle von innen gesehen haben......
Auch der Urlaubsfilm des Nachbarn wandert so auf den heimischen Bildschirm. Private Videofilme werden nämlich in zunehmenden Maße auf dem PC bearbeitet, gespeichert und danach via TV- Ausgang und Video- Link zum Fernseher ins Wohnzimmer übertragen. Natürlich empfängt man gelegentlich auch unidentifizierbare Signale, erkennbar an bloßen Streifenmustern oder stark verzerrten Bildern. Das sind möglicher-weise Videoübertragungen mit inverser Videopolarität. Spätestens dann empfiehlt es sich, die Drahtbrücke auf dem Modul zu entfernen und durch einen Schalter zu ersetzen. Aber auch Datenübertragungen können derartige „Geisterbilder“ erzeugen.
Neben den allgemeinverwendbaren ISM- Frequenzen existieren übrigens auch noch weitere Kanäle für professionelle Dienste, doch das ist eine andere Geschichte! Dieter Görrisch
Funkempfang.de



